Ist trotz unterschiedlicher Schreibweisen die Persönlichkeitsstruktur erkennbar?

Man hat zwar verschiedene Schreibstile, je nachdem, ob man sich beim Schreiben sehr konzentriert oder schnell etwas notiert, aber im Grunde gibt es trotz Müdigkeit, Stimmungsschwankungen usw. wenig signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Schriftstücken einer Person, wenn man sie zu verschiedenen Tageszeiten oder an verschiedenen Tagen einen Text schreiben lässt.

Konstant in Bezug auf verschiedene Schriftstücke bleiben z.B. der Grad der Eigenprägung, der Wortabstand und die Raumaufteilung.

Veränderlich kann z. B. die Formung einiger Buchstaben oder Buchstabenteile sein, ebenso die Zeilenführung.

Anschaulich ist folgender Vergleich: Bachs Werke sind sehr unterschiedlich, aber wenn man sich in die Werke Bachs einhört, wird man mit der Zeit seine Kompositionen erkennen und sie auch von Händel oder Vivaldi unterscheiden können, obwohl alle drei dem Barock angehören. Ebenso ist es mit der Handschrift einer Person.

Natürlich kann es über sehr lange Zeiträume (bezogen auf ein Menschenleben) eine Veränderung der Handschrift geben. Dies kann im Rahmen der Erkenntnisse über die Persönlichkeitsentwicklung von Interesse sein.

Es ist ebenfalls möglich, dass eine Person zwei völlig verschiedene Handschriften besitzt. Dies ist für die Interpretation von essentieller Bedeutung, da der Graphologe sonst nicht die Gesamtpersönlichkeit erfassen kann.

(Unter)schrift echt oder gefälscht?

„In diesem Dokument ist die Unterschrift gefälscht!“ – eine Aussage, die ich oft am Telefon höre, vor allem, wenn es um Testamente geht. Man möchte dann gern ein „graphologisches Gutachten“ erstellen lassen und so die Frage der Echtheit oder Urheberschaft klären bzw. feststellen, ob es sich um eine Unterschriftenfälschung handelt.

Dies ist allerdings nicht die Aufgabe eines Graphologen, sondern eines Schriftsachverständigen. Mehr Informationen über die Differenz zwischen Graphologie und Schriftvergleichung erhalten Sie hier.

In Fällen der Echtheitsprüfung bzw. der forensischen Handschriftenuntersuchung wenden Sie sich bitte direkt an meinen adäquat ausgebildeten Kollegen Hartmut Mutschler. Vorsicht bei unseriösen Angeboten wie hier. Nota bene: Graphologen sind keine Schriftsachverständigen.

Welchen Beitrag kann die Graphologie in Unternehmen leisten?

Die Graphologie eingesetzt in Unternehmen gibt Auskunft über die Belastbarkeit, Eigeninitiative, Kreativität, Beschaffenheit der geistigen Fähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein, Stolpersteine – und noch einiges mehr. In Kombination mit den Schriften des Arbeitsumfelds (Vorgesetzter und Kollegen) kann auch ermittelt werden, ob ein Bewerber in ein bestehendes Umfeld hineinpasst.

Das graphologische Gutachten als Ergänzung zu einer Arbeitsprobe, einem Bewerbungsgespräch und Referenzen macht den Menschen plastischer und kann ein wertvoller Beitrag zur Entscheidungsfindung sein. Aufgrund des psychologischen Phänomens der „sozialen Erwünschtheit“ verhält man sich in der Bewerbungssituation anders: Verhaltensweisen werden „zensiert“, um nicht negativ beurteilt zu werden. Da der Graphologe mit dem Bewerber keinen Kontakt hat, wird die Handschriftanalyse als Messinstrument durch dieses Phänomen kaum beeinflusst. So kann im Vorfeld bereits viel Wissenswerte erkannt werden, dass sich im Normalfall erst später zeigt.